Johannsibeere

Eigentlich wollte ich ja Johannisbeeren pflücken

Jetzt sind die roten Johannisbeeren wirklich reif. Und morgens um 8 Uhr es ist noch so schön kühl draußen. Nachher wird es wieder zu heiß. Also mache ich mich auf den Weg. Nach wenigen Schritten der erste Stopp am Maulbeerbaum. Er schmeißt mit Früchten nur so um sich. Da ich nichts verkommen lassen kann, sammle ich also erst einmal die Früchte vom Weg, bevor da jemand drauf tritt. Weiter zum Hochbeet im hinteren Garten. Ist das Gras hier schon wieder hoch. Das müssten dringend die Pferde abfressen. So ist ja kein Durchkommen. Eine innere Stimme sagt mir: Mach es gleich, schieb nicht wieder. Also mache ich kehrt, um die Pferde zu holen. Die beiden kennen das schon. Wir haben drei Pfosten in Linie mit dicken Seilen in 1.80 m Höhe abgespannt, daran werden die Stricke einfach eingehakt. Normalerweise kann der Alte das ganz gut, nur die Kleine wickelt sich regelmäßig ein. Man muss halt alle 20 Minuten mal nachsehen. Aber wenn ich doch eh daneben pflücke, ist das ja ganz praktisch.

Die Pferde werden eingesammelt und einzeln nach hinten gebracht. Gierig stürzen sie sich auf das frische Grün. Na also. Inzwischen ist mein Mann aufgestanden und begrüßt mich freudig mit „Frühstück ist fertig“. Nach schön, dann müssen die Johannisbeeren noch ein bischen warten. Wir frühstücken. Zwischendurch schau ich immer mal wieder nach, ob noch alles in Ordnung ist und sammle bei der Gelegenheit den Junifall unter dem Apfelbaum weg, damit die Pferde die Miniäpfel nicht fressen. Das wäre ungesund. Die ersten 30 Minuten Fressen lassen gehen gut, dann muss ich tatsächlich immer wieder Pferdebeine auswickeln. In der Küche hat inzwischen der gestern abgefilterte Maulbeersaft hinreichend eingedickt, schön langsam auf niedrigster Stufe. Also wird der noch schnell mal abgefiltert. Jetzt geht es aber an die Johannisbeeren. Mein Mann sitzt inzwischen am PC. Dabei fällt mir ein, wir wollten doch die Bilder von der Mitgliederversammlung längst eingestellt haben. Das könnte er doch mal eben mit machen. Also setze ich mich kurz hin und sortiere alle kürzlich von der Kamera runter geladenen Bilder in die richtigen Themenverzeichnisse, damit er die richtigen Bilder auch einstellen kann. Danach verkündet er mir, dass er jetzt erst draußen arbeiten will, bevor es zu heiß wird. Das Einstellen könne er ja auch mittags machen…, jo.

Also wieder raus und mit Eimer in Richtung Johannisbeeren. Die ersten Pferdeäpfel lachen mir entgegen. Höchste Zeit, die Pferde wieder in den Auslauf zu schaffen. Sie kommen nacheinander wieder rein und saufen erst einmal gierig Wasser. Inzwischen ist es elf und schon ziemlich warm in der Sonne. Ich gehe zurück in Richtung Johannisbeeren, jedes mal mit Bücken unter der Maulbeere. Jetzt ist zwar das Gras an der Westseite schön kurz, aber zu Kompost hin stehen Mannshoch die Brennesseln. Ich hole mir einen Rosenschere und eine Karre, um sie sauber unten abzuschneiden. Einen Tag getrocknet ergeben sie ein ausgezeichnetes Pferdefutter. Als ich so davor stehe und die schönen Samenstände betrachte, fällt mir ein, das ich ja schon immer mal getrocknete Brennesselsamen probieren wollte. Wenn nicht jetzt, wann dann? Also wird der für die Johannisbeeren vorgesehene Eimer mit den Samenständen der Brennesseln gefüllt, und ich gehe zurück ins Haus, um sie auf der Darre aufzuschichten. Dazu müssen die Stiele noch von den Blättern befreit und auf die richtige Größe zugeschnitten werden.

Während ich da so stehe und schnipple, fährt mir durch den Kopf: Eigentlich wolltest Du doch seit 5 Stunden die roten Johannisbeeren ernten.