Die liebe LBG

Ein bischen Land ist teuer

Für Bürger, die mehr als 2500 qm Land zu ihrer Verfügung haben (gekauft oder gepachtet oder gemietet), fühlt sich die landwirtschaftliche Berufsgenossenschaft zuständig, diese gegen ihren Willen vor allen Folgen, die mit dem Wachsen von Pflanzen zu tun haben könnten, zu schützen. Wer also 2490 qm Land besitzt, der kann für die Folgen allein aufkommen, wer aber 20 qm mehr hat, der muss abgesichert werden. Dafür stellt die LBG im Fall der Fälle sogar Betriebshelfer. Da ist sie die einzige BG, die so großzügig ist. Die Frage, wer mit 2600 qm Privatland nun unbedingt einen Betriebshelfer braucht, spielt dabei keine Rolle. Prinzipiell macht sie das, und das genügt.

Sie ist auch tatsächlich (zumindest ihren Äußerungen nach) davon überzeugt, die Menschheit (zumindest die mit mehr als 2500 qm Land) vor den Folgen dieses gefährlichen Landbesitzes zu beschützen. Das hat ihr Rechtsvertreter im Gerichtsverfahren mehrfach betont. Sie versteht auch meinen Unwillen gar nicht, denn es ist doch zu meinem Schutz! Wenn ich schon ein so gefährliches Hobby habe, dann kann da für eventuelle Folgen doch nicht die Gemeinschaft zahlen müssen? Nun ist aber leider das Gefährlichste am Pferd, nämlich das Reiten und alles, was dazu gehört, ausdrücklich ausgeschlossen. Wenn ich also einem Pferd ein Halfter auflege, um es in der Stall zu bringen, und es passiert etwas, dann bin ich geschützt durch die LBG. Wenn ich aber einem Pferd ein Halfter auflege, um es für das Reiten fertig zu machen und es passiert etwas, dann – ist es mein Problem. Oder das der Allgemeinheit? Vielleicht meint die LBG ja, das Pferd spürt, ob ich es zum Füttern oder zum Reiten hole, und beim Füttern käme gar kein Unwillen zum Ausdruck. Eine andere Erklärung für ein unterschiedliches Risiko bei gleicher Sache will mir einfach nicht einfallen. Der Richter war übrigens auch der Meinung, die LBG gehört zu den Guten und es ist doch toll, was sie da so macht.

Einige Menschen mit ein bischen Grünland halten darauf Bienen, andere Ponies oder Pferde, manche lassen auch nur das Gras wachsen. Das alles spielt aber nur eine Rolle, was die Höhe der zu zahlenden Beiträge angeht, denn umsonst ist dieses aufopferungsvolle Kümmern durch die LBG nun bei weitem nicht. Auch wenn ein Richter hier von lächerlichen Hundert Euro spricht (wenn die so lächerlich sind, könnte man doch auch darauf verzichten?), bei mir ist es inzwischen die zehnfache Summe, und es wird immer teurer, wie das eben in einer ungeliebten Ehe so ist. Haben die Familiengerichte inzwischen begriffen, dass es keinen Sinn macht, zwei Partner zum zusammen bleiben zwingen zu wollen, hier wird es gefordert. Bürger(in) muss, er/sie hat keine Wahl.

Ich zum Beispiel habe ungefähr 6000 qm Pferdeweide, und dazu kommen 1000 qm Obstgarten,  200 qm Gemüsegarten und etwas Ziergarten (Rosen, Stauden, Rhododendren). Hatte ich die Weidefläche zunächst nur gepachtet, so sollte ich nur für die Weidefläche zahlen. Dann aber hat mein Mann die Fläche gekauft, und nun plötzlich gilt die gesamte Fläche. Dabei wird bislang kein Unterschied gemacht zwischen bebauten Flächen, mit Beton befestigten Flächen, reinen Sandflächen (auf denen nun wirklich kein Grashalm mehr wächst…) und Wiese/Gemüse/Ziergarten. Bis letztes Jahr hatte ich allein 2 Pferde darauf stehen, eines wurde zum Herbst 2014 eingeschläfert. Nun stehen zur Gesellschaft zwei fremde Pferde mit im Stall, im Auslauf und auf der Weide. Wir haben eine Haltergemeinschaft. Hatte ich angenommen, jetzt wäre die VBG zuständig, musste ich bei Gericht erfahren, dass das nun nicht der Fall ist. Erstens benötige ich von der LBG einen offiziellen Entlassungsbescheid (also nur, wenn sie mich gehen lassen, darf ich gehen), und zweitens wäre das nur bei einer Stallgemeinschaft so. Für alle, die jetzt nicht so ganz folgen können: Eine Stallgemeinschaft ist ausschließlich Immobiliengesteuert- man teilt sich einen Stall. Wenn man Pferde gemeinsam also wie im Gefängnis halten möchte, ist man eine Stallgemeinschaft, und dann darf man zur VBG und zahlt dort keine Beiträge (jedenfalls solange man keine Angestellten beschäftigt).Hat man aber zu dem Stall 2600 qm Land und wächst da auch noch was drauf, ja dann wird man mit der LBG zwangsverehelicht und zahlt!

Da haben wir doch mal gefragt, was denn an Grünland so gefährlich ist. Die LBG sagt, sie hätte zum Beispiel für eine Frau, die beim Aufhalten (Schmied war da) von ihrem Pferd getreten wurde und erblindete, für viele 100.000 Euro die Umbaukosten von ihrem Haus getragen. Hm, ein merkwürdiges Beispiel. Wenn ich also 2400 qm Wiese habe oder auch gar kein Land, sondern nur einen Stall, und der Schmied kommt und ich halte auf und mir passiert etwas, dann ist die Krankenkasse zuständig. Wenn ich aber 2600 qm Wiese habe, und der Schmied kommt und ich halte auf und mir passiert etwas, dann ist die BG da und kommt für die Schäden auf??? Und wenn ich mein Pferd in einem Reitstall stehen habe und …, dann – ist es auch die Krankenkasse. Dieselbe Sachlage, dieselbe Situation und es entscheiden die Anzahl der Grashalme, die mir gehören, wer zahlt??? Das kann man nun wirklich keinem logisch denkenden Menschen klar machen.

Es kommt aber noch besser. Jetzt habe ich die Haltergemeinschaft (denn ich habe ja 3 Pferde von 3 Besitzern in einem Stall, einem Auslauf ohne jegliche Flora und 6000 qm Weide) und wir teilen uns alle anfallenden Arbeiten. Wenn mir auf der Weide also etwas passiert, ist die LBG zuständig. Wenn aber den anderen Pferdebesitzerinnen etwas passieren würde, oder Reitbeteiligungen oder Freunden, dann sind wieder die Krankenkassen oder privat abgeschlossenen Unfallversicherungen zuständig. Da fragt man sich doch (mal wieder) nach dem Sinn. Wir haben jedenfalls jetzt an die beiden anderen Pferdebesitzerinnen jeweils 2000 qm Land verpachtet. Jeder hat nun weniger als 2500 qm, und vielleicht darf ich jetzt ja gehen.

Der Irrsinn wird komplettiert dadurch, dass es für Pferdebesitz insgesamt drei (!!!) zuständige Berufsgenossenschaften gibt- die Landwirtschaftliche, die VBG oder die für Trasport und Verkehrswirtschaft. Nun sind sich die drei zuständigen BGs auch nicht immer sicher, wer wofür zuständig ist, und anscheinend reden die auch nicht gern miteinander. Zumindest nachdem ich die LBG kennen gelernt habe, verstehe ich das für die anderen beiden. Das Verhalten der LBG ist vorsichtig ausgedrückt auch nur noch merkwürdig, hat aber durchaus System. Und das muss man erst einmal verstehen.

Angefangen hat es wohl damit, dass Krankenkassen von der LBG Geld für Unfälle gefordert haben, die sie für Mitglieder ihrer Meinung nach unberechtigterweise gezahlt haben. Nun versucht jeder, zu sparen und Kosten auf andere abzuschieben, wo es möglich ist. Die Krankenkasse also auf die LBG. Die hatte nun ein Kostenproblem, denn die betreffenden waren gar nicht Mitglied, und es stand ja zu befürchten, dass dies Schule machen wird. Man sah wohl eine Kostenlawine auf sich zukommen. Also mussten frische Einnahmen her. Dazu fragte man mal bei den Katasterämtern nach, und die stellten bereitwillig Daten zur Verfügung. Dann wurden alle bislang noch der LBG  unbekannten Landbesitzer angeschrieben, und sollten melden, was sie denn mit dem Land so machen. Haben sie es verpachtet, waren sie fein raus und der Pächter hatte nun den Ärger. So kam auch ich zu meinem Zwangsbeitritt. Mein ständiger Einspruch nutzte nichts, ich musste erst einmal zahlen.

Im Mai 2013  aber war die LBG dann auf die Idee gekommen, mir mitzuteilen, weil ich ja klage, werden sie jetzt alle Flächen zusammen rechnen und es wird teurer für mich. Ich sollte bis Oktober Auskunft erteilen. Anfang November habe ich dann mitgeteilt, ich habe mein Pferd einschläfern lassen, und jetzt habe ich eine Haltergemeinschaft und bin bei der VBG. Nun sollte man annehmen, dass – wenn ich mich hier im Irrtum befinden würde und ein Sachbearbeiter liest das so, dann würde er oder sie doch sicher rückmelden, dass dem nicht so sei. Weit gefehlt- es passierte nichts!!! Ich hatte also die (leider irrige) Hoffnung, die LBG endlich los zu sein. Außerdem hatte die LBG ja jedes Jahr spätestens im Februar ihren Beitragsbescheid an mich geschickt- und auch da passierte dieses Jahr – nichts!!! Das hat mich in meiner Annahme ebenfalls bestärkt- hurra ich bin sie los.

Und dann im Gerichtsverfahren erklärt mir die Gegenseite, so ginge das ja nun nicht. Natürlich wäre ich noch Mitglied, oder hätte ich etwa Entlassungspapiere? Tja, und der Richter stellte fest, er hätte ja immer im Sinne der LBG entschieden, und er würde das nun auch tun. Gut, dass keine Kameras anwesend waren, ich muss ziemlich dämlich aus der Wäsche geschaut haben.

Fazit:

Wer weniger als 2500 qm Land besitzt, ist fein raus. Den nimmt die LBG nicht zwangsweise ein.  Wer mehr als 1 ha Land besitzt, ist ebenfalls fein raus. Damit kann man nämlich EU-Flächenförderung beantragen, und was einem so aus der einen Tasche genommen wird, kann man auf der anderen (Taschen)Seite wieder rein holen. Außerdem bekommt man ab 1 ha Fläche auch ein grünes Kennzeichen für einen Trecker (den habe ich zwar nicht, aber …). Nur mit mehr als 2500 und weniger als 10000 qm ist man der Dumme.

Wer sein Pferd in Eigenregie, aber nicht artgerecht hält, hat wenig Land und auch kein Problem.

Wer sein Pferd artgerecht auf weniger als 1 ha hält- hat zu viel und zu wenig Land und für den wird es teuer.

Liebe LBG,

ich wüsste wirklich gern von Euch:

1) Was ist mit Flächen, auf denen Gebäude stehen? Sind die auch gefährlich?

2) Was ist mit versiegelten Flächen? Ich meine betonierte Terrassen, befestigte Einfahrten und Ähnliches. Da wird nicht gemäht, es wächst nix, also auch kein Risiko oder doch gefährlich?

3) Was ist mit einem Pferdeauslauf von 400 qm, wo nun definitiv kein Gras mehr wächst, ja nicht einmal Unkraut? Ist die Fläche auch gefährlich?

4) Auf wen bezieht sich bei einer Haltergemeinschaft die Fürsorge der LBG: Nur auf den Eigentümer (das wären in unserem Fall ja auch zwei, nämlich mein Mann und ich!), oder auf den Pferdebesitzer (das wären ja drei, ich selbst und die beiden anderen Halterinnen) oder alle, die dort Arbeiten verrichten (das wären eine Menge Leute mehr, Verwandte aller bislang genannten, Freunde die einspringen, Hufschmied, Tierarzt, Physiotherapeuten, …). Oder habt ihr nur mich auf dem Kieker?

5) Warum muss das Aufhalten eines Pferdes oder der Kauf von Futter bei Menschen mit hinreichend vielen Grashalmen durch die LBG abgesichert werden, bei Leuten ohne Land aber nicht? Ich sehe beim diesbezüglichen Risiko nun wirklich keinen Unterschied, bin aber auf Ihre Erklärung echt gespannt!!!

6) Das größte Risiko stellt das Reiten dar- und das nehmt ihr aus. Wie verträgt sich das mit Eurer barmherzigen Fürsorge?

7) Was ist, wenn ich meinem Pferd das Gehen vor dem Pflug beibringe. Ist die mit dem Pferd getane Arbeit dann versichert oder nicht? Wie ist das mit Holzrücken, zählt das als Reiten oder wie definiert die LBG das? Ist es versichert oder nicht? Ist das Fahren mit der Kutsche versichert oder nicht?

Andrea Heymer